Nachdem ich wirklich sehr lange gezögert habe, mir das aktuellste Machwerk von Mel “ich lasse Jesus im Film mal richtig leiden” Gibson anztun, tat ich es nun dann doch mal. Ein Kumpel von mir drängte mich regelrecht, mir endlich mal den Apocalypto anzutun, “er sei doch so gut, sogar dem Michael hat er gefallen”.
Mel Gibson lieferte ja bereits 1995 mit Braveheart ein beeindruckendes, geschichtliches (Meister)werk ab, der die Kombination aus Geschichte, Drama und Brutalität locker meistete. Die relativ brutalen und genial inszenierten Schlachtszenen waren ein Vorbild für viele weitere, kommende Filme, deren Schlachtgetümmelszenen Braveheart sehr ähnelten. Seine nächste Regiearbeit war dann der sehr umstrittene Die Passion Christi, der die letzten Tage vom allseits beliebten Jesus auf eine, naja, “wenig” brutale Art darstellte. Vor allem die Sprache des Filmes (komplett auf hebräisch, nix synchronisiert) war etwas gewöhnungsbedürftig und dieser “Tradition” blieb Mel Gibson treu, denn auch Apocalypto wurde komplett in irgendwas (keine Ahnung, was das für ne Sprache ist) gedreht.
Apocalypto fängt “heile Welt”-mäßig an: junge, halbnackte Burschen rennen durch einen Dschungel und jagen einen Tapir, dessen Hoden ein dickerer Krieger essen muß, was sich aber als Verarsche rausstellt. Toll. Ein meisterhafter Einstieg. Jetzt kommt erst mal das obligatorische Eingeborenendorfleben, heile Welt und so, kennt man schon zur Genüge und man sehnt sich richtig nach dem kommenden Schicksal des Eingeborenendorf – welches dann auch kommt. Ab hier wird der Film dann wirklich richtig gut, denn Mel Gibson schafft es, ein stinknormales “Rape & Revenge” – Szenario in ein Abenteuerszenario mit geschichtlichen Hintergrund zu verpacken. Ob allerdings die Maya wirklich so brutal waren, wie sie im Film dargestellt werden, sei mal so dahingestellt. Ist mir persönlich aber auch egal, hauptsache der Gesamtfilm stimmt, aufregen darüber können sich die Historiker unter uns :-)
Will jetzt nicht allzulange mit Story aufhalten, kurz Zusammengefaßt: Dorfleben – Überfall der Maya auf das Dorf inklusive Bodycount – Hauptcharakter “Pranke des Jaguars” seilt seine Frau und Kind in ein tiefes Erdloch ab, damit sie nicht gefunden werden, leider wird das Seil von einem bösen Mya durchgeschnitten – es werden Gefangene gemacht, die in die Maya Hauptstadt befördert werden – dort werden einige der Gefangenen geopfert, bis eine Sonnenfinsternis eintrifft und der Gott der Maya durch die Opfer besänftigt wurde – die restlichen Gefangenen müssen sich einem Todesspielche beugen, aber unser Held kann abhauen und rennt wagemutig in sein Heimatdorf zurück, um seine Frau aus dem Erdloch zu befreien, gejagt von den fiesen Mayas …
Highlights des Filmes sind ohne Frage die Maya Stadt und die Verfolgungsjagd durch den Dschungel am Ende des Filmes. Die Bilder der Maya Stadt kommen gewollt dreckig und beklemmend daher, die Dschungeljagd ist filmisch genial umgesetzt, es kommt null Langeweile auf, ist ziemlich spannend und es wirkt keine Sekunde überhektisch. Wäre Jason Bourne durch den Dschungel gejagd worden, würde man vor lauter hektischer Wackelkamera (DIE neueste Mode momentan) mal nix erkennen – aber zum Glück isses ja Apocalypto und nicht die Bourne-Trilogie :-) Apropos Langeweile, die kommt eigentlich während des gesamtesn Filmes kein mal auf, nur am Anfang plätschert es ein wenig belanglos dahin.
Stichwort FSK 18, oder wie es so schön korrekt heißt “Keine Jugenfreigabe”: der Film hat schon nen relativ höheren Bodycount und kommt auch teilweise schön blutig daher, aber das hat man in anderen Filmen, die FSK 16 waren, schon viel blutiger gesehen. Ich denke mal, die FSK kam mit den Opferszenen auf dem Maya Tempel nicht klar, deshalb wohl ab 18.
Fazit: schönes, bildgewaltiges & filmisch gut umgesetztes Abenteuerdrama. Ähnelte ein wenig dem 1994 gedrehten Rapa Nui, kann diesen aber locker übertreffen und schafft es, einem nach dem 1. Drittel in seinem Bann zu ziehen. Für mich kein “Geschichtsfilm”, sondern eher das oben erwähnte Abenteuerdrama verpackt in die Maya Kulisse des 15. Jahrhunderts.
8 von 10 Uleis







