
… und das Königreich des Kristallschädels. Oder sollte ich besser sagen, “… und das Königreich des bescheuerten Endes”? Aber dazu kommen wir gleich.
Sodele, der Mann mit dem Hut ist zurück, endlich, nach 19 (!) Jahren Abstinenz kam der laaang erwartete 4. Teil unseres Lieblingsarchäologen ins Kino. Ich denke mal auf keine Fortsetzung wurde mehr gewartet, als auf die des peitschenschwingenden Professors – höchstens vielleicht noch auf nen neuen Gina Wild Film :-) Keiner hätte in den letzten Jahren eigentlich mehr damit gerechnet, dass ein neuer Film ins Kino kommt: Steven Spielberg Dauerbeschäftigt, George Lucas sollte sich eigentlich nach seinen neuen Star Wars Teilen zur Ruhe setzen (ich oute mich mal, ich fand den 3. Teil mal richtig geil und den Endkampf vom 1.) und ein Harrison Ford wird auch nicht mehr jünger, immerhin schon gute 66 Jahre der Mann. Als dann die Info kam, dass ein fertiges Drehbuch vorhanden war und die Dreharbeiten losgingen war klar: sie Welt hat ihn wieder.
Doch ein “Manko” gab es: keine Socke außerhalb des Filmteams wußte Bescheid, was denn nun die Story des 4. Teils war und keine einzige Info ist nach außen gedrungen, nicht mal der Filmtitel anfangs. Waren wieder die Nazis im Spiel, ist Sean Connery auch mit an Bord, was ist diesmal der Gegenstand, um den sich alles dreht und schafft es Harrison Ford, nicht wie ein Rentner auszusehen? Wenigstens den letzten Punkt konnte man mit einem dicken “Ja” beantworten, als das erste Bild von den Dreharbeiten rauskam:

Sieht er nicht gut aus? :-) Was das Drehbuch betraf, so gab es wohl zahlreiche Entwürfe verschiedener Autoren, doch immer wieder kam ein Einwurf von Spielberg und Lucas, bis es dann logischerweise irgendwann geschafft wurde, unter anderem stammte die Story auch von George Lucas himself (oh weia). Dabei hätte alles sooo einfach sein können. Im Jahre 1992 kam für den PC das Spiel “Indiana Jones and the Fate of Atlantis” raus, für mich eines der Besten (wenn nicht sogar immer noch DAS Beste) Adventure Games der Videospielgeschichte. Wie der Titel schon sagt, es geht um die Suche nach Atlantis, die weiter Story und Einzelheiten findet Ihr unter dem angegebenen Wikipedia-Link. Das Spiel hatte alles, was ein würdiger 4. Teil wäre: geniale Story, klasse Humor, gute Action, übergezeichnete Nazis (es sind halt einfach die besten Gegenspieler von Indy, denkt bitte nix falsches) und passte einfach vom Gegenstand des Spieles (Atlantis) in die Mysterien der ersten 3 Teile.
Als dann nach langem Warten der Filmtitel ans Licht kam war klar: Atlantis ade, her mit dem Kristallschädel. Schade, aber leider ist mein Draht zu Spielberg/Lucas dann doch nicht soo gut :-) Jetzt hieß es dann Warten bis zum ersten Trailer, denn allzu viele Einzelheiten des Filmes kamen dann doch nicht ans Licht, höchstens ein bißchen was vom Casting und auch ein Happen von der Story, aber das wars dann auch schon. Mit der Zeit kam dann auch noch ein wenig mehr ans Licht, so sollten zum Beispiel Aliens eine Rolle spielen in der Story und auch ein Cast aus Teil eins sollte wieder auftauchen: Karen Allen, sehr geil. Eine weitere Hauptrolle war Shia LaBeouf, eine Hackfresse unter Hollywoods momentan aufstrebenden Jungdarstellern. OK, in Transformers leistete er gute Arbeit, aber das war bei Transformers eher Nebensache, da gings eigentlich mehr ums Zerstören :-)
Sodele, Trailer war dann auch endlich mal da und was soll ich sagen, es sah wunderbar aus, als wäre die Pause von 19 Jahren nie gewesen. Ein erfrischender Harrison Ford, eine geniale Cate Blanchett als böse Russin (ja, keine Nazis, diesmal die bösen Russen, praktische das gleiche bloß in Rot :-) ) und die Action und das ganze Drumherum sah doch sehr “old school” aus der Film konnte dem Trailer nach zu schließen gar nicht schlecht sein, ja noch nicht mal den Hauch von schlecht …
… und dann waren wir im Kino. Der Film fing relativ geil an mit einer Menge Action und ‘ner kleinen Hommage an Teil 1, die Lagerhalle vom Ende des 1. Teils hatte ihren Gastauftritt. Gleich nach ein paar Minuten wurde klar, Indy ist back und mit ihm der ganze Witz und Charme der ersten 3 Teile. Bloß an das neue Setting mußte ich mich ein wenig gewöhnen, die 50er Jahre wollten nicht ganz in mein Indy Universum passen. Aber egal, irgendwann ging es. Wir hatten den Film über alles, was das Herz begehrte: ordentliche Action, überzogene Bösewichter, keinen Leerlauf, lockere Sprüche, schöne Verfolgungsjagten (die Verfolgungsjagd im Dschungel war mal wirklich sehr geil, das Highlight aus dem Film), halt eben eine tolle Unterhaltung und den allseits bekannten Indy Score aus den letzten 3 Teilen, warum auch das Rad neu Erfinden. Leider stellte sich aber auch heraus, das der Film was hatte, was das Herz nicht begehrte: einen schlecht spielenden Shia LaBeouf, zu viele klamaukhafte Szenen (u. a. schwingt sich Shia tarzanhaft an Lianen durch den Dschungel und überholt mal dabei ein paar Autos, lächerlich) und fleischfressende Riesenameisen oder sowas in der Art (hallo, das passt wohl eher in einen Teil von “Die Mumie”, aber nicht in einen Indiana Jones). Alles in allem aber noch immer gut, jedoch von der Genialität der ersten 3 Teile schon ein wenig weg.
So, und dann kamen die letzten 20 Minuten. Meine Fresse war das übel. OK, jeder Indiana Jones Film hatte was Unrealistisches bzw. ein Mysterium als Inhalt, sei es der heilige Gral oder die Bundeslade. Aber das passte alles perfekt, fügte sich als Teil des Ganzen nahtlos in die Stories ein und wirkte nie lächerlich. Aber der 4. Teil setzte allem eine Krone der Lächerlichkeit auf. Was ist passiert? Beim Drehbuchschreiben keinen Bock mehr gehabt? Haben Spielberg & Co. zu viele Außerirdischen-Filme geschaut? Wollte Lucas einen 7. Star Wars Teil? Ich meine, man hatte 19 Jahre Zeit, ein vernünftiges Drehbuch zu schreiben, da hätte doch mal ein passables Ende rauskommen können, oder? Statt Frank Darabont zu vergraulen und sein Drehbuch nur noch als Grundgerüst zu benutzen, mußte ja unbedingt ein neuer Autor eingestellt werden – wir sehen ja, was rausgekommen ist. Ich wette, wenn Frank Darabonts Drehbuchfassung mal irggendwann an die Öffentlichkeit kommen sollte, dann sieht das Ganze wesentlicht besser aus. Wie dem auch sein, jeder Hardcore Indy-Fan hätte ein besseres Ende geschrieben, vielleicht sogar ich selbst. Das mit den Schädeln an sich war ja noch OK, aber als sich herausstellte, dass es sich hierbei um den Kopf eines Außerirdischen handelte, der irgendwie seinen Kopf verloren hatte (wahrscheinlich ein schlechtes Drehbuch gelesen) und nun Jahrhunderte in seinem Ufo wartete, dass ihm jemand den Schädel wieder aufsetzt, ist einfach lachhaft. Dann werden die bösen Russen inkl. Bösewichtin noch irgendwie wegteleportiert in dem gefundenen Ufo und die skelettierten Außerirdischen in dem Ufo, die wohl ‘nen Elferrat abgehalten haben über die Jahre hinweg, setzten sich dann noch zu einem schlecht animierten Alien zusammen, der irgendwie an Spielbergs ersten Alien erinnerte – welcher mag das wohl sein. Wollte wohl auch nach Hause telefonieren, denn das Ufo erhob sich dann auch mal aus der Erde und flog gen Heimat- Natürlich konnten sich alle guten Hauptdarsteller noch rechtzeitig retten. Wäre ja auch ein wenig schade, aber dann hätten wir wenigstens die Erklärung, woher Han Solo kommt, he he :-)
Alles in allem gebe ich dem Film 2 Bewertungen:
8/10 Uleis! für die ersten 100 Minuten ohne eben das Ende
6/10 Uleis! inkl. dem besch$%&$§ Ende







